Persönliche Erfahrungen

Inkompletter Querschnitt

Inkomplette Querschnittlähmung lautete eine von vielen Diagnosen. Erst nachdem ich wusste, wie die körperlichen Ausfälle und Probleme mit denen ich zu tun hatte als medizinische Diagnose lauteten, konnte ich gezielt nach Behandlungen und Lösungen suchen.

Mit Vierzig auf Kleinkindniveau

Wie zum Beispiel noch einmal mit Mitte Vierzig sitzen lernen, gehen lernen, Gegenstände halten lernen und vieles andere. Acht Jahre hat es gebraucht, wieder auf die Beine und ins Gehen zu kommen. Wieder zurück ins Leben, in soziale Teilhabe und unter Menschen zu kommen, bleibt ein lebenslanger Prozess. Zu groß ist meine Angst vor Menschen, die ich mit all ihrem Bösen erlebt habe und gelegentlich immer wieder einmal erlebe.

90.000 Euro – Der Preis des Lebens

Um überhaupt wieder gehen und leben lernen zu können, musste ich knapp 90.000 Euro aus dem erstrittenen Schmerzensgeld aufbringen. Geld, dass für meine Altersvorsorge und als Entschädigung gedacht war.

Suchen nach eigenen Lösungen

Mit Hilfe eines FES-Gerätes – einem elektronischem Fußheber (Kosten knapp 5.000 Euro), war und ist es mir möglich, wieder ein gutes Gangbild zu erreichen und an meinen guten Tagen ohne Rollstuhl, ohne Rollator oder andere Gehhilfen sicher gehen zu können.

Kleinste Abweichungen, wie Unebenheiten im Boden, reichen bis heute aus, das neu gelernte Gehprogramm auszuhebeln. Oft heisst es dann, erneut wochenlang mit großer Anstrengung wieder auf die Beine und ins Gehen zu kommen.

Umgang mit Verantwortung – in Deutschland eine Katastrophe

Die Telekom AG hatte „vergessen“, den Unfall zu melden. Die Unfallversicherung hat daraufhin jegliche Zuständigkeit, Versorgung und Unterstützung abgelehnt. In einem Gerichtsurteil wurde diese Entscheidung bestätigt.

Die AOK hat ebenfalls jegliche Unterstützung verweigert, mit der Begründung, dass die Verletzungen ihren Ursprung in dem (Arbeits)Unfall in der Telekom AG haben.

Dieses Verweigerungsverhalten beider Versicherungen hatte und hat zur Folge, dass bis heute keine medizinische Versorgung der Unfall-Verletzungen erfolgt ist.

Zutiefst verletzend

Heute muss ich jeden Arzttermin*, jedes Hilfs- und Heilmittel bei Ärztinnen und Ärzten und der AOK regelrecht erkämpfen. Immer im Widerspruchsverfahren, oft mit Vorstandsbeschwerden.

Mit jeder dieser Erfahrung wird die Erinnerung angetriggert an die seit dem Unfall erlebte Zurückgewiesenheit und dem Alleingelassen werden mit den Unfallfolgen und dessen dramatischen Auswirkungen. Eine Heilung des psychischen Traumas ist so nur sehr schwer möglich.

Zeit als Linderungsfaktor

Die Hirn – und die Rückenmarkverletzungen, die motorischen und kognitiven Aussetzer und Spastiken kann die Zeit wahrscheinlich nicht heilen, doch über die Jahre zumindest lindern.

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