FUSSHEBERSYSTEME

wieder gehen lernen mit Elektronischen Fusshebersystemen (FES)

Für Menschen, die einen Schlaganfall, eine Hirnblutung oder andere cerebrale Verletzungen oder Erkrankungen haben, können die elektronischen Fusshebersysteme helfen, wieder neu gehen zu lernen.

Dabei werden unterhalb des Knies auf den beiden Nervensträngen des Peroneus-Nerv zwei Elektroden fixiert. Über diese Elektroden werden beim Anheben des Beines Stromimpulse ausgelöst, welche vom Gehirn aufgenommen und verarbeitet werden.

Restfunktionen sind notwendig

Wichtige Voraussetzung für die Nutzung eines FES-Gerätes: mindestens einer der beiden Peroneus-Nervenstränge muss noch Restfunktionen haben.

Bei mir selbst waren nach dem Unfall zunächst im linken Bein beide Nervenstränge ohne Funktion.

Persönliche Erfahrungen

Erst durch das tägliche mentale Training indem ich mir immer wieder meine ersten Schritte bildhaft vorgestellt habe, war Gehen wieder möglich. Durch das tägliche Training, welches schmerz- und erschöpfungsbedingt meist nur für zwei oder drei Minuten möglich war, hat mein vorderer Peroneus-Ast des linken Beines wieder in dezentem Maße seine Arbeit übernommen. Und dadurch war letztendlich fünf Jahre später das Gehen mit einem FES-Gerät möglich.

Zeit ist eine andere Dimension

Insgesamt hat mein wieder gehen lernen acht Jahre, viele Schmerzen und Tränen gebraucht. Und auch wenn ich heute die meiste Zeit liegen muss, war es diesen Kraftakt wert. Für jeden einzelnen Schritt den ich auf meinem Rollator hängend, mich voran ziehen kann.

Von freundlichen Menschen und dem Schönling

Für andere Menschen schaut es meist so aus, als würde ich – vom Rollator abgesehen, normal gehen können. Dies hat schon öfter dazu geführt, dass insbesondere männliche Mitmenschen den Rollator für eine Einkaufshilfe halten und mir beim Ein-oder Aussteigen aus den Öffis den Rollator liebevoll entreißen und zügig voran eilen. Wenn sie dann zehn Meter später merken, dass ich immer noch an oder vor der Tür stehe, mit grosser Sehnsucht nach meinem Schönling im Blick, wird ihnen meist klar, dass der Schönling (Rollator 007) mehr als nur Einkaufshilfe ist.

Die Gedanken sind nicht immer frei

Im gleichen Moment muss der Patient intensiv – am besten mit bildlicher Vorstellung, den Gedanken denken Fuss anheben. Was sich hier liest und für die meisten Menschen auch eine einfache Bewegung ist – mit einer Lähmung des Beines oder Fusses oder einer Hirnverletzung ist dieser Gehversuche vergleichbar mit Hochleistungssport.

Daraufhin kann der verletzte oder gelähmte Fuss angehoben und im richtigen Moment nach vorn in Bewegung gebracht werden.

Von vielen Beteiligten unseres „Gesundheitssystems“ ist gewollt, dass die FES-Systeme kaum bekannt sind. Auch nach mehr als zehn Jahren, die sie in Deutschland zur Verfügung stehen. Ein Grund dafür: Hersteller und Verteiler von herkömmlichen Orthesen haben das geringste Interesse daran, neue Hilfsmittel wie die FES-Systeme an Patienten zu bringen. Sie würden auf ihren „alten“ Hilfsmitteln sitzen bleiben. In Beratungen und Informationen zu Hilfsmitteln finden die FES-Systeme praktisch nicht statt. Patienten werden mit herkömmlichen Hilfsmitteln wie den Toe-Off-Orthesen versorgt. Egal, ob diese für Patienten sinnvoller oder besser sind als ein FES-System.

Ich hatte 2010 das Glück, durch eine engagierte Therapeutin von dem FES-System Walk-Aide zu erfahren. Sie selbst hatte in einem Zeitungsartikel von diesem Hilfsmittel erfahren. Zudem befindet sich die Firma, welche die Geräte an die Patienten bringt nur wenige Kilometer von meinem Wohnort entfernt in unmittelbarer Nähe von Frankfurt am Main, in Egelsbach.

Zu oft geht es um Geld und zu selten um Menschen

In ganz Deutschland gab es 2022 gerade einmal vier Vertriebsfirmen für FES-Systeme. Ein Gerät kostet das Mehrfache von herkömmlichen Orthesen.

Krankenkassen, Sanitätshäuser, Hersteller der herkömmlichen Orthesen sind die wesentlichen Blockierer der fortschrittlichen Hilfsmittel. Ihr wichtigstes Argument: Der Preis. Ein FES-Gerät kostet in der Anschaffung ein Mehrfaches einer normalen Toe-Off-Orthese.

Ein FES-Gerät kostet inklusive der Elektroelektroden rund 3.000 Euro. Eine herkömmliche Toe-Off-Orthese aus Carbon kostet etwa eintausend Euro.

Persönliche Erfahrungen

In meinem persönlichen Fall hat eine dieser Toe-Off-Orthesen ein knappes Jahr gehalten. Über einen Zeitraum von drei Jahren wurde ich mit dieser Orthese versorgt. Zudem hat mein Gangbild sich über die Zeit sehr verschlechtert, da die Orthesen die Belastung durch das damals noch sehr schwerfällige Gehen nicht halten konnten. Dies hat zu zusätzlichen Haltungsstörungunen und Bewegungsschmerzen im Bereich der LWS (Lendenwirbelsäule) geführt.

Mein erstes FES-Gerät hat, inklusive Zubehör, knapp 3.000 Euro gekostet und genau zehn Jahre gehalten. Dabei hat es mehrere Gleichgewichtsbedingte Stürze ohne Probleme überstanden. Das haben die Toe-Off-Orthesen nicht geschafft.

Die Rechnung ist demnach sehr einfach. Die in den meisten Fällen verordneten Toe-Off-Orthesen sind – je nachdem wie lange der Mensch lebt, um ein Vielfaches teurer.

Gerichtsurteil

Inzwischen gibt es ein Urteil, welches entschieden hat, dass auch die FES-Geräte von den Krankenkassen übernommen werden müssen. Siehe auch – Krankenkasse finanziert neues FES-Gerät.

Kleine Kästen mit großer Wirkung

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Das elektronische Fusshebersystem WalkAide
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Ein Nachfolgemodell des WalkAide: Das elektronische Fusshebersystem innoStep.

Das WalkAide

Das innoStep

Das innoStep für Kinder

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Auch das barfussgehen ist dank des WalkAide wieder möglich.
wieder gehen lernen, das walkaide im alltag, Das Gerät ermöglich ein flüssiges gangbild.
Das WalkAide ermöglich ein flüssiges Gangbild.

Die Funktionsweise des WalkAide (auf englisch)
Die Funktionsweise des innoSteps (auf deutsch)