ÜBER

Katrin

DURCH DIE TELEKOM AG EIN PFLEGEFALL

Ich heiße Katrin Dohnt und habe am 19. Januar 2006 einen grauenvollen Unfall in der Telekom AG in Darmstadt überlebt. Im Alter von 40 Jahren wurde ich – aufgrund eines schweren Baumangel (Staatsanwaltschaft Darmstadt 2010) sowie durch unglaubliche Dummheit, Arroganz und Gleichgültigkeit – von einem Moment auf den nächsten regelrecht aus dem Leben geschlagen.

Das vorsätzlich kriminelle Agieren der Telekom AG hat dazu geführt, dass schwere körperliche Verletzungen weder am Unfalltag noch in der Zeit nach dem Unfall medizinisch behandelt und versorgt wurden. Daran hat sich bis heute, fast zwei Jahrzehnte nach dem Unfall, nichts geändert.

In Folge dessen bin ich ein Pflegefall geworden. Bis vor kurzem noch für fast jeden Handgriff auf Hilfe angewiesen. Immer wieder durch schwere Schmerzanfälle phasenweise komplett handlungsunfähig. Diese Phasen können Tage oder Monate dauern.

 

 

Heute – 16 Jahre nach dem Unfall versuche ich, wieder so gut wie möglich auf meinen eigenen Beinen stehen und mein Leben wieder in Eigenregie leben zu können.


Privataufnahme Sommer 2021: Mitte 2021 – Nach 15 Jahren Schmerzen, Trauer und Isolation zurück im eigenen Leben

 

Persönliche Erfahrungen und fachliche Infos weitergeben

In den vergangenen fast zwei Jahrzehnten habe ich unglaublich viel gelernt. Vor allem Neues. In Bereichen und Themen die mir vor dem Unfall größtenteils fremd waren. Wie zum Beispiel, das und wie wieder gehen lernen möglich ist trotzt Paresen (Lähmungen).

Ich durfte einen kleinen Einblick haben in die Stärke der menschlichen Willenskraft und die Kraft der Gedanken. Dies sind Themen, mit denen ich mich auch weiterhin beschäftige.

Körper und Psyche gehören zusammen

Auch das Thema Trauma-Heilung hat Einzug gehalten in mein Leben. Und obwohl ich heute den unteren Teil meines Trauma-Eisberges be- und verarbeitet habe, beschäftigt mich dieses Thema weiterhin. Weil in Folge der schweren Unfall-Traumatisierung frühere Traumata sich Raum verschafft haben. Und weil unsere Psyche und unser Körper spannender sind als jeder noch so gute Thriller und weil die persönliche Befindlichkeit es wert ist, sich mit ihnen auseinanderzusetzen.

Diese Erfahrungen möchte ich ebenso weitergeben wie die vielen fachlichen Informationen die sich im Laufe der Zeit angesammelt haben.

Kopf- und Bauchgehirn

Oft haben mir Bücher, Dokumentarfilme oder andere Informationsquellen weitergeholfen. Intuitiv habe ich immer Themen dann entdeckt, wenn mein Inneres danach gesucht hat. Diese Erkenntnis ist für mich elementar geworden: Auf meine innere Stimme zu hören. Dem sogenannten Bauchgefühl zu vertrauen, denn unser „Bauchgehirn“ nimmt Situationen und Gefahren war, bevor unser „Kopfgehirn“ dies tut.

Das wird nie wieder gut

Wenige Momente waren ausreichend, mein damaliges Leben auszulöschen. Bereits während des Unfalls ist eine innere Stimme durch meinen Kopf gerast mit der Aussage, dass DAS nie wieder gut werden wird. Damals wusste ich noch nicht, was dieser Gedanke bedeutet. Fast zwei Jahrzehnte später weiß ich, dass der Großteil der Verletzungen irreparabel bleibt, dass jedoch ein guter Umgang hilft, damit zurechtzukommen. Und mir ist klar geworden über die vielen Jahre, dass eine Rückkehr in ein Leben mit sozialen Kontakten nicht mehr möglich sein wird. 

 

Befreiung und Bereicherung

Lange Zeit war es eine enorme Belastung, ohne jegliche Sozialkontakte existieren zu müssen. Heute empfinde ich diese Situation als große Bereicherung. Menschen sind eine Gefahr der es gilt auszuweichen. Gelegentliche Begegnungen beim Einkaufen oder sonstigen Outdoor-Aktivitäten sind akzeptabel. 

Alles, was einmal mein Leben ausgemacht hat, gibt es nicht mehr. Alles ist nicht nur anders, es ist verwirrend und überfordernd.


Ein wahrhaft einschlagender Moment

Am 19. Januar 2006 ereignete sich in der Telekom AG in Darmstadt aufgrund schwerer Baumängel ein schwerer Unfall. Die Verletzungen daraus waren:

  • Schädel-Hirn-Trauma (SHT),
  • epidurale und subdurale Hirnblutungen,
  • Rückenmarksverletzungen der Hals*-und Lendenwirbelsäule, 
  • unklare Verletzung der Brustwirbelsäule,
  • Hemiparese der linken Körperhälfte,
  • Fußheberparese des linken Beines,
  • schwere physische und psychische Traumatisierung.

Realität im Sozialstaat Deutschland

Auch nach 16 Jahren ohne medizinische Versorgung

Lediglich die mit einem* gekennzeichneten Verletzungen wurden medizinisch versorgt und behandelt. Im April 2006 wurde ich an der Halswirbelsäule operiert.

Alle anderen Unfallverletzungen habe ich auf eigene Kosten behandeln lassen – mit mäßigem Erfolg. Auch 16 Jahre nach dem Unfall gibt es keine medizinische Versorgung. Zeit und Akzeptanz haben geholfen, die Verletzungen und die Gedanken an diese Situation erträglich zu machen.

Die Relevanz der Perspektive

Was für mich und mein damaliges Umfeld eine Katastrophe war, war für die Telekom AG ein Nichts. Alles was mein Leben und mein Wesen einmal ausgemacht hat, gab es nicht mehr nach diesem Unfall.

Für die Telekom AG hingegen war …nichts (weiter) passiert
Die jahrelange Kommunikation der Telekom AG lautete:

 


 

Es ist nur ein Brett umgefallen„.

Telekom AG 2006 bis 2010


Das Telekom-Brett

Tonnenschwer und beinah tödlich

Dieses „Brett“ war mehr als acht Meter lang, über drei Meter hoch und hatte ein Gewicht von mindestens EINER TONNE – Eintausend Kilogramm. Diesen Sachverhalt hat die Telekom AG in ihren Ausführungen ebenso vergessen wie die Unfallanzeige selbst.

In anderen Ländern nennt man das Mafia

Die Telekom AG hat „vergessen“, den Unfall an zuständige Behörden wie Unfallversicherung, Amt für Arbeitssicherheit und Polizei zu melden. Sie war mit anderen Dingen beschäftigt. Zum Beispiel damit, die am Unfall anwesenden circa 15 MitarbeiterInnen einzuschüchtern und zu verbieten, über den Unfall zu sprechen.

Für den Fall eines Verstoßes gegen dieses Verbot wurde mit Kündigung und anderen romantischen Maßnahmen gedroht. Mehr zum Agieren der Telekom AG nach dem Unfall >>

VERLUSTKETTE

Verlust (m)eines ganzen Lebens

Für mich hatte und hat das beschämende Verhalten der Telekom AG gravierende Konsequenzen. Aufgrund der Verleugnung des Unfalls werden die erlittenen Unfallverletzungen bis heute medizinisch nicht versorgt und behandelt

Erstreiten eines Schmerzensgeldes

Behandlung aus persönlichen Mitteln

Nur durch das gerichtliche Erstreiten eines Schmerzensgeldes konnte ich in den ersten zehn Jahren die erlittenen Verletzungen auf private Kosten behandeln lassen. Insgesamt habe ich mehr als 90.000 (neunzigtausend) Euro für Behandlungen und Therapien ausgegeben.

Es gab viele Momente in denen ich verletzungsbedingt dem Tod näher war als dem Leben. Zwei Jahre lang war ich nach dem Unfall – ohne psychische Betreuung oder Behandlung – überzeugt gewesen tot zu sein. Alles war surreal. Die Unfallleugnung der Telekom AG hat das Todesgefühl bestärkt.

Der Wert der Gesundheit per Gerichtsurteil

Der Verlust von Gesundheit, Arbeit und Beruf hatte auch den Verlust der finanziellen Absicherung zur Folge. Für die erlittenen Verletzungen wurde 2013 eine Unfallrente von monatlich 270 Euro per Gerichtsurteil anerkannt. Lange Zeit ein monatlicher Schlag ins Gesicht. 

Zusammen mit einer Erwerbsunfähigkeitsrente, die doppelt so hoch ist wie die Unfallrente, haben meine finanziellen Möglichkeiten sich meinen gesundheitlichen Möglichkeiten angepasst. Sie reichen geradeso aus um zu existieren. Heute ist mir das genauso egal wie vieles andere.

Geld ist nicht alles

Doch es macht Heilung möglich

Das Glück darüber, den Unfall und dessen Folgen überlebt zu haben wiegen um einiges mehr als der soziale und finanzielle Abstieg. Zudem weiß ich, dass ich mit meinen wiederkehrenden kreativen Fähigkeiten meine finanzielle Situation wieder verbessern werde. 

Verlust der eigenen Persönlichkeit

Der Verlust der gesundheitlichen Unversehrtheit war ein gravierender Verlust. Weitere gravierende Verluste waren der Verlust meines Berufslebens, der Verlust von Freunden und Arbeitskollegen, der Verlust meiner Partnerschaft. Heute sind alle Verluste bis auf den Verlust meines Berufslebens Glücksfälle.

Ab 2014 wusste ich nicht mehr wer ich bin und wofür ich lebe. Ich hatte meine Identität verloren. Beim Blick in den Spiegel war mein Gegenüber gesichtslos. Eine verstörende Phase, die sich über vier Jahre hingezogen hat.

Irgendwann habe ich selbst geglaubt, der Unfall sei nie geschehen und ich sei verrückt.

2013 – Vor Schmerzen fast wahnsinnig

Die unterlassene Unfallmeldung der Telekom AG hatte nicht nur zur Folge, dass die Unfallverletzungen bis heute medizinisch nicht versorgt werden. Mindestens genauso dramatisch ist, dass ich bis 2014 keine Schmerzmittel erhalten habe. Vor Schmerzen fast wahninnig wollte ich 2013 schmerzbedingt mein linkes Bein amputieren lassen. Obwohl das Bein nicht mehr funktioniert hat, hat es fürchterlich geschmerzt und sämtlich Kraft aus dem Körper gezogen.

Danke Dr. Henkel

Erst nach meinem Wohnungs- und Ortswechsel habe ich 2014 das große Glück gehabt, auf einen Arzt zu treffen, der meine große Not erkannt hat und dem rechtliche Hintergründe egal waren. Als erster Arzt hat er mir ein Schmerzmittel verordnet, dass nach acht langen Jahren endlich den grauenvollen Schmerzkreislauf unterbrochen und reduziert hat. Danke, Dr. Henkel. So sehr ich ihnen ihren Vorruhestand gönne, so sehr vermisse ich ihre Kompetenz und Menschlichkeit. Es war ein großes Geschenk, sie kennenlernen zu dürfen. Sie haben mir gezeigt, dass Ärzte bei aller Professionalität auch Mensch sein können.

Das linke Bein soll amputiert werden

Der Kontakt mit einer Klinik im Süden Deutschlands war vorhanden, ebenso die rechtliche Begleitung durch meinen Anwalt, Herrn Udo Rau. Glücklicherweise ist dieses Vorhaben daran gescheitert, dass die Entstehung von Phantomschmerzen zu wahrscheinlich war.

Nur wenige Tage im Jahr handlungsfähig

Bis Anfang 2020 musste ich noch etwa acht Monate des Jahres liegend und handlungsunfähig verbringen. Schmerzbedingt, gehunfähig und oder kraftlos und dauererschöpft. Die Jahre zuvor habe noch mehr Zeit ohne reales Leben verbracht. Mehrere Jahre lag ich nur im Bett. Die Gewissheit, dass dieser Zustand irgendwann wieder anders sein wird hat mich ausharren lassen.

Persönliche Werte und Vorstellungen

Persönliche Angriffe und Beleidigungen verbaler Art habe ich in den vergangenen 16 Jahren unzählige erfahren. Ich wurde als Abschaum beschimpft, als Stück Dreck den die Menschheit nicht braucht, als kaputt, als überflüssig.

Als behinderter Mensch muss man sich ein dickes Fell zulegen. Das ich heute noch lebe, dass ich heute die Kraft und den Mut habe, mit dieser Homepage das überlebte Grauen öffentlich zu machen, ist auch meinem Sinn für Gerechtigkeit geschuldet. Der Gedanke, die Telekom AG kann nach ihrem kriminellen Agieren weitermachen als sei nichts geschehen, hat mich in den vergangenen 16 Jahren umgetrieben. Seit 2019 sind die Wut und der Gedanke an die Telekom AG nicht mehr alltagsbestimmend.

DIE GEGENWART

Jeder Tag ein Kraftakt – doch es geht voran

Das tägliche Aufstehen, das Ankleiden, eine Mahlzeit zubereiten – all das kostet noch immer viel Kraft und ist an vielen Tagen nicht möglich. Doch es ist besser geworden. In unzähligen kleinen Schritten. Manchmal geht es einen Schritt vor und drei zurück. Dann wieder geht es drei Schritte vor und einen Schritt zurück.

Was trägt und hält

Der Wille, noch einmal lebenswert leben zu können. Wieder gehen zu können, wieder selbständig leben zu können. wieder denken zu können. Wieder schreiben zu können. Wieder lachen zu können. Wieder allein zufrieden sein können. Wieder reisen zu können, wieder empathische Menschen kennenlernen. Und noch einiges mehr.

Ein paar empathische Menschen können zurück ins Leben helfen

Dass es ab 2021 insgesamt so entscheidend besser geworden ist, ist dem Erscheinen von zwei Betreuungskräften zu verdanken. Von Beginn an haben diese mich als Mensch und als weibliches Wesen wahrgenommen. Letzteres war mir in den langen Jahren nach dem Unfall völlig abhanden gekommen. War ich doch froh für jeden Tag, den ich hinter mich gebracht habe. Ob als Frau oder als Neutrum war mir egal.

Im Bett liegend, vor Schmerzen wimmernd, vor Einsamkeit verzweifelnd, wochenlang ohne Körperpflege spielt das eigene Geschlecht keine Rolle mehr. Aus ganzem Herzen Danke, liebe Frau Sch. und Frau G. vom Pflegedienst UMANO, dass ich sie beide kennenlernen durfte. Mit ihrem emphatischen und humorvollen Wesen haben sie meinen „Motor“ wieder zum Laufen gebracht und sie helfen mir, mit den vielen Alltags-Widrigkeiten zurecht zukommen.

Nach 16 Jahren Schwere wird mein Leben wieder lebenswert

Sie haben mich motiviert wieder am Leben teilzunehmen, mich vielleicht wieder auf Menschen einzulassen, wieder Ziele und Pläne für die Zukunft zu schmieden und die Gegenwart mit Freude zu leben. Wieder nach Lösungen zu suchen, wahrzunehmen, was inzwischen alles wieder geht und möglich ist.

Auch an den Tagen, an denen ich kraft- oder schmerzbedingt Bett oder Wohnung nicht verlassen kann. Umso mehr freue ich mich auf jene Tage, an denen dies wieder möglich ist. Und sei es nur der Weg zum Fenster der wieder geht.

in der telekom ag zum pflegefall gemacht. telekom unterlässt unfallmeldung nach wandeinsturz am 19.1.06. Bild auf Startseite: Danke

 


 

 

Seit dem Unfall 2006 wahrgewordene Normalität. Vieles ist nicht mehr machbar, vieles ist nicht mehr zugänglich. Für Menschen mit Gehbehinderung frustrierender Alltag.

 

Pläne und Projekte


 

Wünsche & Hoffnungen

Ich hoffe und wünsche, dass meine gesundheitlichen Befindlichkeiten weiterhin besser werden. Dass die Schmerzen noch freundlicher werden. Dass meine Lebenszeit ausreicht, meine Pläne und Wünsche realisieren zu können. Dass es wieder empathische Menschen in meinem Leben gibt. Dass ich eine Wohnung finde, die auf meine Einschränkungen eingestellt ist. Dass ich schreiben und gestalten kann. Dass ich Natur nicht nur im Fernsehen erleben kann.

 

Natur – egal in welcher Form, seit Jahren nur noch per TV erlebbar

 

Jedes Rosenblatt steht für einen Wunsch, ein Ziel. Es gibt also viel zu tun

 

 

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