Solidarität mit der Ukraine

Ich bin zutiefst entsetzt über das was nicht weit von uns in der Ukraine entfernt geschieht. Es fühlt sich unrealistisch und beklemmend an.
Ich selbst hatte das große Glück in Frieden und meine zweite Lebenshälfte auch in Freiheit leben zu dürfen.

Das ist den Menschen in der Ukraine momentan nicht möglich und es wird lange brauchen, bis sich die Menschen von diesem traumatischen Erlebnis erholt haben.

Solidarität mit den Menschen der Ukraine

Für unsere eigene Sicherheit

In dieser Situation gilt der Satz „Wehret den Anfängen“ wie kaum in einer anderen.

Auch für uns selbst ist es existenziell wichtig, der russischen Regierung zu zeigen, wie sehr wir – die Bürger eines demokratischen Landes – ihr Agieren verachten. Und es liegt an uns dafür Sorge zu tragen, dass sich der kriegerische Überfall auf die Ukraine nicht in anderen Ländern oder Regionen wiederholt. Die Ukraine ist nicht weit von uns entfernt. Ist diese erst einmal eingenommen, ist es ein „Katzensprung“ bis nach Deutschland. Dem Mann im Kreml ist alles zuzutrauen. Und das bereitet mir große Sorgen.

wieder gehen lernen
Die Ukraine ist nicht weit von uns entfernt

Krieg zerstört Leben über viele Generationen

Wie lange und wie nachhaltig Kriege in den Köpfen und in den Seelen der Menschen bleiben und sie für den Rest ihres Lebens krank macht, zeigt meine eigene Familiengeschichte.

Ich bin Mitte der 1960er geboren. Und ich habe noch meine Großeltern und meine Ma in Erinnerung. Sie waren alle gezeichnet von ihren Erlebnissen aus Kriegszeiten.

Meine Großeltern hatten das unglaubliche Los, zwei Weltkriege miterleben zu müssen. Als sehr junge Menschen und als Erwachsene.

Mein Opa mütterlicherseits „ist im Krieg geblieben“. Seinen letzten Kriegsurlaub hatte er 1938. Danach wurde von ihm nichts mehr gehört oder gesehen. Seine Frau, meine Oma mütterlicherseits, musste vier kleine Kinder, davon ein Zwillingspärchen, alleine durch den Krieg bringen. Ein weiteres Zwillingspärchen – zwei Mädchen – war 1937 bereits verhungert.

Irgendwie ist es meiner Oma gelungen, vier kleine Kinder allein durch den Krieg zu bringen. Keiner von ihnen hat diese Zeit unbeschadet überstanden.

Zwei Weltkriege in den Knochen und in den Köpfen

Meine Oma hat noch bis in die 1980er Jahre gelebt. Auch meine beiden anderen Großeltern haben noch bis Ende der 1970er Jahre gelebt. Was sie alle drei gemeinsam hatten, war ihr Stille, ihre Schweigsamkeit. Nie habe ich einen von den dreien lachen gesehen und gehört.

Als Kind fand ich das sehr beängstigend. Auf meine kindlichen Fragen wurde nicht eingegangen. Später habe ich aufgehört zu fragen.

Meine mütterliche Oma hat nicht nur nie gelacht, sie war völlig verbittert. Ihrer jüngsten Tochter – meine Ma, hat sie nur Hass und Ablehnung entgegengebracht. Als zweitgeborenes Kind des zweiten Zwillingspärchen war sie zum einen nicht geplant und schon gar nicht erwünscht. Außerdem hat sie meine Oma an den schrecklichen Verlust der an Hunger verstorbenen Zwillinge erinnert. Auch dieses Zwillingspärchen waren zwei Mädchen.

Meine Ma war eines der beiden Zwillingsmädchen, die 1939 zur Welt gekommen sind. Der Haß meiner Oma hat sich fortgesetzt bis in meine Generation und die meines kleinen Bruders. Er ist Anfang der 1970er Jahre geboren und hat den gleichen tiefen Haß zu spüren bekommen wie meine Ma und ich.

Mit etwa 13 oder 14 Jahren habe ich begonnen, diese Oma zurückzuhassen. Und ich habe ihr das ins Gesicht geschleudert. Ich habe die unzähligen Angriffe gegen mich und meinen Bruder nicht mehr ertragen.

Erst viel später, mit Anfang fünfzig habe ich begonnen, die Biografie meiner Oma und meiner Ma zurückzuverfolgen. Von da an war nicht nur der Hass aufgelöst, auch jegliches negative Gefühl war fort. Stattdessen hat sich eine tiefe Liebe entwickelt und Dankbarkeit.

Hätte meine Oma nicht die Kraft gehabt, vier Kleinkinder und sich selbst durch so fürchterliche Zeiten zu bringen, hätte meine Ma mich nie bekommen können. Und auch sie hat sich trotzt ihres schweren Seins für mich entschieden.

Nach diesen Erkenntnissen ist mich daraus die Schuld entstanden, mein Leben so gut es geht zu leben. Ich habe dass große Glück, in Frieden zu leben. Daraus ergeben sich Möglichkeiten, die weder meine Oma noch meine Ma hatten.

Krieg zerstört das Innerste der Menschen

Meine drei Großeltern haben den Krieg um 30 bz 35 Jahre überlebt. Was jedoch immer in ihnen geblieben ist, waren die Ängste die sie erlebt haben. Der Krieg / die Kriege haben ihnen jegliche Leichtigkeit und Fröhlichkeit genommen.

Kriege die heute fast 80 Jahre zurückliegen. Doch selbst heute noch ist meine Generation geprägt von den Erlebnissen ihrer Eltern und ihrer Großeltern lange Zeit zurückliegen.

Dass sich solche dramatischen Geschehnisse nicht wiederholen, auch dafür ist dieser Artikel.

danke an meine familie
Danke an meine Familie, ganz besonders an meine Ma, dass sie sich trotzt ihres schweren Lebens, ihrer eigenen Traumatisierungen für mich entschieden hat

Bildbearbeitungen: wiedergehenlernen.com

Veröffentlicht von katrin von wgl

Bis Jan 2006 als IT-Managerin in Telekom AG Darmstadt tätig. Durch schweren Unfall (Einsturz einer Wand) am 19.1.2006 in Telekom AG schwer verletzt. 2007 bis 2015 wieder gehen gelernt. Seit 2021 im Lernprozess, wieder Alltag zu leben. Seit 2022 ein bis drei Tage pro Woche lebens- und handlungsfähig. Restlichen Tage aufgrund Erschöpfung und/oder Schmerzen noch bettlägerig.

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