Seit meinem Einzug vor drei Jahren in eine von der AWO (Arbeiter-Wohlfahrt) verwalteten Wohnung für betreutes Wohnen, hat sich meine mentale Befindlichkeit um mindestens fünfzehn Prozent verschlechtert. Dass bedeutet, dass ich auf dem letzten Stein schleife, der noch an mentaler Kraft vorhanden ist.
Einsamkeit – eine grausame Belastung
Der Hauptgrund für diese Verschlechterung sind Tristesse, Einsamkeit und soziale Isolation. Die im Hause angebotenen Veranstaltungen habe ich eine zeitlang besucht. Irgendwann habe ich bemerkt, dass es mir nach jeder Veranstaltung (u.a. Rolator-Tanz, Bingo, Kreativ-Arbeit) mental schlechter ging als vorher. Allein unter ab 70jährigen teils schlimmen Pflegefällen war der Wohlfühlfaktor schnell im Minusbereich. Zudem haben mich pflegebedürftige Damen und Herren oft angesprochen mit der Bitte um Hilfe. Hilfe, die ich leider nicht geben kann, brauche ich doch selbst viel Hilfe und Unterstützung.
Häschen hüpf
Von einer Grube in die Nächste
Seit Jahren falle ich gefühlt von einer Grube in die Nächste. Das macht sich in teils wochenlangen Erschöpfungsphasen bemerkbar. Nach zehn Minuten leichtester Aktivität bin ich für drei bis vier Tage derart erschöpft, als hätte ich an einem Marathon teilgenommen. Meine letzte Erschöpfungsphase liegt gerade in den letzten Zügen. Ganz allmählich spüre ich, wie Lebenskraft und der Wunsch wieder aufzustehen nach zwei Wochen Liegezeit zurückkehren.
Die ersten Tage bin ich dann immer sehr wacklig auf den Beinen. An meinem FES-Gerät merke ich, dass ich einiges abgenommen habe an Gewicht. Nach den wackligen Tagen kommen ein paar Tage an denen ich wieder leichte Hausarbeiten erledigen kann, wie verdorbene Lebensmittel aus dem Kühlschrank zu entsorgen und vielleicht sogar eine Mahlzeit (aus der Dose) warm zu machen.
Die schönen Dinge des Lebens
Nach etwa zehn Tagen bis zwei Wochen kommen dann wieder Tage mit fast normaler Stärke und Energie (20 Prozent meiner Kraft vor dem Unfall). Dann wage ich mich auch mal in die Stadt, um frische Lebensmittel einzukaufen oder einen Kaffee zu trinken, ein Eis essen, kurze Gespräche mit Menschen oder Menschen in ihrem Tun und Treiben zu beobachten.
Gefährlich und schön
Diese Zeit ist die gefährlichste Zeit. Denn dann muss ich aufpassen, nicht zu viel zu tun. Eine falsche Bewegung, ein versehentlicher Stoss an mein linkes Bein und das ganze Elend beginnt von vorn. Wobei die schmerzbedingten Erschöpfungsphasen um einiges länger dauern (fünf bis sieben Wochen) als nur Erschöpfung durch Überforderung.
Mehr Achtsamkeit geht kaum
Und obwohl ich meist gut acht gebe auf mein Tun und Bewegen, passiert es eben doch immer wieder mal. Wenn im Bus jemand versehentlich an mein Bein tritt. Wenn ich ich mein Bein nicht komplett ausstrecken kann und und und.

Die große Sehnsucht nach Lebenslust & Lebensfreude

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