Nur nicht nachdenken

Seit einem Monat wohne ich nun in einer Pflegeeinrichtung für alte und sehr alte Menschen. Mit meinen Endfünfzigern drücke ich den Altersdurchschnitt um Jahrzehnte nach unten.

Willkommen beim Tod

Die wenigsten Mieter verlassen die Einrichtung lebendig. Der Großteil genießt beim Verlassen des Hauses den Sargservice.

Wenn ich mir vorstelle, dass dieser Weg auch meiner sein wird, könnte ich den ganzen Tag heulen. Das fühlt sich an, als würde der Tod einem schon im Nacken sitzen.

Umzug in eine Pflegeeinrichtung

Anfang September bin ich aus meiner zwei-Zimmer Wohnung – in der ich mehr als zehn Jahre gewohnt habe -, in eine Ein-Raum-Wohnung in einer Pflegeeinrichtung gezogen.

Da meine Vermieterin die Zwangsräumung beantragt hatte und diese Pharce vor Gericht bestätigt wurde, musste alles sehr schnell gehen.

So schnell wie es gehen musste, so chaotisch war es dann auch und ist es immer noch.

Noch immer sitzliege ich in meiner neuen Wohnung in einer Mischung aus Wohnlich und Müllhalde. Eine wohnliche Müllhalde sozusagen.

Müllhalde in beiden Wohnungen

AVK – Die Perle der Umzugfirmen

Die Umzugsfirma (AVK aus Frankfurt) hat nur einen Teil der Möbel umgezogen, dafür jede Menge Kartons und Kram mitgenommen, deren Inhalt für den den Sperrmüll gedacht ist.

Der Firmenwagen von AVK – Klein und schrottig

Langsames Ankommen

Allmählich erhole ich mich von dem anfänglichen Schock, den Rest meines irdischen Seins in einer Pflegeeinrichtung zu verbringen.

Beim Mittagessen, dass hier frisch zubereitet wird und sehr gut ist, habe ich zwei Nachbarn kennengelernt. Eine 93jährige Frau und einen 84jährigen Mann. Beide sind in einem beneidbaren „Zustand“.

Gesundheit ist keine Frage des Alters

Die 93jährige Frau ist noch unglaublich jung im Kopf und hat einen wunderbaren Humor.

Schmerzbedingt kann ich leider nicht jeden Tag essen gehen, so dass ich nicht jeden Tag Kontakt habe. Vorallem der Humor von Frau G. fehlt mir.

Beste Grüße von der Demenz

Seit gestern schiebe ich Hunger, da ich vergessen habe, mich rechtzeitig für das Mittagessen anzumelden.

Dem anfänglichen Schock ist die Erleichterung gefolgt. Denn allmählich nehme ich wahr, dass mein weiteres irdiscbes Sein hier deutlich leichter werden wird.