Seit einem Monat wohne ich nun in einer Pflegeeinrichtung für alte und sehr alte Menschen. Mit meinen Endfünfzigern drücke ich den Altersdurchschnitt um Jahrzehnte nach unten.
Willkommen beim Tod
Die wenigsten Mieter verlassen die Einrichtung lebendig. Der Großteil genießt beim Verlassen des Hauses den Sargservice.
Wenn ich mir vorstelle, dass dieser Weg auch meiner sein wird, könnte ich den ganzen Tag heulen. Das fühlt sich an, als würde der Tod einem schon im Nacken sitzen.
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Auf Instagram bin ich auf Sophia aufmerksam geworden. Ihren Willen und ihre Kraft finde ich beeindruckend. Da ich selber weiss, wie anstrengend es ist, etwas (neu) zu lernen, kann ich in etwa einschätzen, mit welchen Anstrengungen Sophia täglich zu tun hat.
Eine kleine Kämpferin – Sophia
Nichts ist normal und einfach
Was für andere Kinder in ihrem Alter normal ist, ist für Sophia nicht einmal vorstellbar.
Einfach losrennen, Ball spielen, mit anderen Kindern umhertoben – all diese scheinbar normalen Dinge bleiben für Sophia unerreichbar.
Tränen der Freude und Tränen der Trauer
Ihre Tage sind gefüllt mit Geh- und Koordinationsübungen. Und diese gelingen selten auf Anhieb.
Dass Sophia bei ihren Übungen noch lachen kann und nicht die Freude daran verloren hat, zeigt, was für ein besonderes Mädchen sie ist.
Vorbild und Mutmacherin
Für mich ist Sophia ein großes Vorbild, eine echte Mutmacherin. Diesem kleinen Kraftwesen und ihrer Familie wünsche ich weiterhin viel Kraft, Mut und Geduld.
Ein großer Dank auch an all die Therapeuten (w/d/m), die mit ihem Können soviel möglich machen. Ihren Eltern ist es zu verdanken, dass Sophia diesen Weg gehen kann. Mit anderen Eltern, die vielleicht nicht die Power und finanziellen Möglichkeiten hätten, würde Sophia wahrscheinlich nie gehen lernen können.
Auf Instagram könnt ihr Sophia, ihre Eltern und ihre Therapeuten auf ihrem Weg beobachten.
Anfang September bin ich aus meiner zwei-Zimmer Wohnung – in der ich mehr als zehn Jahre gewohnt habe -, in eine Ein-Raum-Wohnung in einer Pflegeeinrichtung gezogen.
Da meine Vermieterin die Zwangsräumung beantragt hatte und diese Pharce vor Gericht bestätigt wurde, musste alles sehr schnell gehen.
So schnell wie es gehen musste, so chaotisch war es dann auch und ist es immer noch.
Noch immer sitzliege ich in meiner neuen Wohnung in einer Mischung aus Wohnlich und Müllhalde. Eine wohnliche Müllhalde sozusagen.
Müllhalde in beiden Wohnungen
AVK – Die Perle der Umzugfirmen
Die Umzugsfirma (AVK aus Frankfurt) hat nur einen Teil der Möbel umgezogen, dafür jede Menge Kartons und Kram mitgenommen, deren Inhalt für den den Sperrmüll gedacht ist.
Der Firmenwagen von AVK – Klein und schrottig
Langsames Ankommen
Allmählich erhole ich mich von dem anfänglichen Schock, den Rest meines irdischen Seins in einer Pflegeeinrichtung zu verbringen.
Beim Mittagessen, dass hier frisch zubereitet wird und sehr gut ist, habe ich zwei Nachbarn kennengelernt. Eine 93jährige Frau und einen 84jährigen Mann. Beide sind in einem beneidbaren „Zustand“.
Gesundheit ist keine Frage des Alters
Die 93jährige Frau ist noch unglaublich jung im Kopf und hat einen wunderbaren Humor.
Schmerzbedingt kann ich leider nicht jeden Tag essen gehen, so dass ich nicht jeden Tag Kontakt habe. Vorallem der Humor von Frau G. fehlt mir.
Beste Grüße von der Demenz
Seit gestern schiebe ich Hunger, da ich vergessen habe, mich rechtzeitig für das Mittagessen anzumelden.
Dem anfänglichen Schock ist die Erleichterung gefolgt. Denn allmählich nehme ich wahr, dass mein weiteres irdiscbes Sein hier deutlich leichter werden wird.
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In den vergangen Jahren habe ich mich mit der Frage auseinander gesetzt, wie und wo ich mein (wahrscheinlich) letztes Lebenskapitel leben möchte.
In meinem eigenen Haushalt stoße ich immer wieder an Grenzen. Die Wohnung ist zwar schön, doch leider nicht behindertengerecht. Dies, die Tatsache, dass ich meinen Alltag nur noch schwer bewältigen kann, sowie die außerordentliche Kündigung durch meine Vermieterin (eine lange, eine andere Geschichte) haben mir die zunächst angstmachende Entscheidung leichter gemacht.
Und so bin ich froh, wenn ich im Laufe dieses Jahres ein neues Zuhause finden kann in einer Gemeinschaftsunterkunft mit Betreuung. Mit Unterstützung des LWV Darmstadts (Landeswohlfahrtverband) bin ich sicher für meine letzte Lebensdekade eine gute und passende Unterkunft zu finden.
Vorfreude und Hoffnung wachsen
Haben zunächst ängstliche und traurige Gedanken bei der Auseinandersetzung mit diesem Thema überwogen, stellt sich allmählich Erleichterung und Vorfreude ein. Die Vorstellung, mich künftig um nichts als um mich kümmern zu können, sprengt momentan noch meine Vorstellungskraft. Ebenso der Gedanke daran, wieder anderen Menschen zu begegnen. Nach mehr als zehn Jahren sozialer Isolation schier überwältigend. Ebenso wie der Gedanke, dann endlich meinen Interessen nachgehen zu können. Meine Bücher fertig zu stellen, meine Kreativität wieder leben zu können – pures Glücksgefühl.
Die nächsten Wochen und Monate werden zeigen, wohin diese Reise führt. Da ich regional ungebunden bin, kann dass deutschlandweit fast überall sein. Hauptsache, weg von der Telekom, die hier omnipräsent ist.
Voller Hoffnung und Vorfreude und der Frage, wohin die Reise gehen wird
Loslassen – das große Zauberwort
Da meine neue Unterkunft räumlich wesentlich begrenzter sein wird als mein jetziges zuhause, werde ich fast alles Materielle hinter mir lassen müssen (dürfen?). Dieser Gedanke schafft mir inzwischen mehr Erleichterung als Sorge. In meinem Leben gab es bereits einige große Lebensumbrüche und Neuanfänge.
So der „Weggang“ vor mehr als dreißig Jahren aus der damaligen DDR in die BRD.
Gedankenreise in die Vergangenheit
Mit einer Reisetasche mit dem Allernötigsten wie persönliche Dokumente, nötigste Kleidung und ein paar Erinnerungsfotos. Begleitet von der Angst in eine Reise ins Ungewisse. Viel hätte damals noch schiefgehen können. Die Zugfahrt ohne zu Wissen, wo genau der Zug hinfährt, war der reinste Horrortrip. Hunderte Gleichgesinnte waren zusammengequetscht in den Abteils. Kinder lagen weinend und schreiend in den Gepäckablagen. Alte Menschen saßen zitternd da mit der Angst, die eigenen Kinder und Enkel ebenso wie die Heimat vielleicht nie wieder sehen zu können.
Hoffentlich hält er dicht
Nur ein nahestehender Angehöriger wusste von meinem Vorhaben, nicht mehr nach Hause zu kommen und unmittelbar nach der Arbeit die Reise in eine unbekannte Zukunft anzutreten. Nur mit einer kleinen, möglichst unauffälligen Reisetasche mit den allernötigsten Dingen.
Von meinem Arbeitskollegen habe ich mich wie jeden Tag verabschiedet, ebenso von Freunden und allen anderen Angehörigen, die ich in den Tagen und Wochen vor meiner Abreise getroffen habe. Ein befremdliches Gefühl, dass mitunter tiefe Emotionen hervorgerufen hat. Selbst wenn der Wunsch einen fast zerrissen hat, zu sagen, dass es das letzte Treffen sein wird, möglicherweise ohne eine Chance auf ein Wiedersehen. Doch als DDR-Bürgerin wusste man, wann es besser war zu schweigen und sich selbst und andere nicht in Gefahr zu bringen.
Der Duft der großen weiten Welt
In dem Zugabteil hat es gerochen wie in einem wochenlang nicht gereinigten Pumakäfig. Damals, mit Anfang zwanzig wusste ich noch nicht, was für ein Geruch das war. Heute, nach meinem überlebten Unfall und bis heute anhaltenden Reise der Traumaheilung weiss ich, dass Angst nicht nur riecht – sie stinkt derart unangenehm, dass einem von der eigenen Duftnote übel wird. Kein Waschen, kein Deo, nicht das teuerste Parfüm schafft Abhilfe.
Begegnung zweier Welten
Fast ohnmächtig von diesem hundertfachen Angstgeruch dauerte die Zugfahrt in das neue Land und neue Leben etwa zehn Stunden. An der damaligen deutsch-deutschen Grenze wurde der Angstgeruch ins Unendliche gesteigert. Die ostdeutschen Grenzsoldaten trampelten durch die Abteile und hatten dabei ihre Maschinenpistolen auf die verängstigen Menschen gerichtet. Ohne Angabe von Gründen wurden Leute aus dem Zug geholt. Abgeführt wie Schwerverbrecher. Vor und hinter ihnen schwerbewaffnete Soldaten, die ohne zu Zögern von ihren noch existierenden Möglichkeiten Gebrauch zu machen. Kaum dass ihnen der Moment gelassen wurde, persönliche Dinge mitzunehmen oder sich von Angehörigen zu verabschieden. Für einige von ihnen war die Fahrt damit zu Ende. Der neue Aufenthaltsort für sie war das Untersuchungsgefängnisse.
Wenn es sein musste, haben die Soldaten und Polizisten der damaligen DDR bis zum letztmöglichen Moment geschossen. Für sie waren all die Menschen, die ihre Heimat verließen in der Hoffnung auf ein Leben in Freiheit mit mehr Selbstbestimmung, Staatsfeinde und Verbrecher.
Ankunft im neuen Land
Wenige Kilometer, doch Stunden später, wurde es freundlich und menschlich. Die westdeutschen Grenzpolizisten waren das völlige Gegenprogramm und haben uns in Erstaunen mit offenen Mündern versetzt. Kein Schreien, keine Kommandos, keine Aufforderungen, den Zug zu verlassen. Keine Waffen, die auf uns gerichtet wurden. Stattdessen Aufklärung darüber, wo wir sind, wo der Zug hinfährt und was die nächsten Halteorte sein werden. Und endlich erfuhren wir auch den Zielort des Zuges.
Wer im „falschen“ Abteil saß, landete in der Pampa – doch immerhin in der westdeutschen Pampa!
Pro Halteort wurde jeweils der letzte Wagon abgehängt, so dass am Zielort (Frankfurt am Main) die Lok nur noch mit einem oder zwei Abteilen einfahren sollte. So sollte eine gerechte Aufteilung auf verschiedene Orte sicher gestellt werden.
Ich hatte das „Glück“, in einem Ort nahe Fulda abgehängt zu werden. Dort war ein Auffanglager für die nächsten Monate meine zuhause. In einem riesigen Raum mit drei-Stockwerk-Betten vereint in Gedanken mit all den anderen Menschen, denn alle hatten wir ähnliche Hoffnungen und Wünsche. Und auch unsere Ängste und Sorgen waren ähnlich***.
Zurück in die Gegenwart
Von derartiger Dramatik ist heute keine Spur. Vielmehr fange ich an, mich auf diesen neuen Lebensabschnitt zu freuen. Es könnte meine leichteste Lebensphase werden. Trotzt meiner körperlichen Verletzungen, trotzt der traumatischen Unfallerfahrungen, trotzt der Tatsache, dass ich meine geliebten Wellies* nicht werde mitnehmen können. Für sie gilt es, ebenfalls eine gute Lösung zu finden.
Zwischen die angst- und sorgenvollen Gedanken mischt sich immer mehr Vorfreude und Hoffnung. Diese Hoffnung trägt derart, dass meine momentane Lebenslage, erschwert auch durch eine äußerst unangenehme** Vermieterin, erträglicher wird.
Auf dem Weg in einen neuen Lebensabschnitt
*Wellensittiche **die höflichste Form der Umschreibung ***über meine Ost-West-Erfahrungen ist ein Buch in Planung.
Bilder: Pixabay Bildbearbeitung: Katrin F. E. Dohnt von wgl – wiedergehenlernen
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wiedergehenlernen.com wünscht einen schönen und erholsamen Sonntag. Zur Abkühlung ein Gruß vom Meer.
Kannst du nicht an Orte fahren, kannst du jede Menge Kohlesparen :-)
Tipps gegen Sonntags-Tristesse:
: Filme mit Loriot : Sketchreihe Ladykracher : Serie Das Büro : Natur- und Tier-Dokus : Serie Mord mit Aussicht : Spaziergang / Spazierfahrt : Ein Rad schlagen, z.b. das vom Nachbarn :-).
eine Blume ist eine Blume ist eine Blume…
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Die persönliche Befindlichkeit darf nach Durchzug eines intensiven Formtiefs, welches sich von Dienstag bis Freitag vergangene Woche hingezogen hat, heute mit einem ausgedehnten Hoch angegeben werden.
Besagtes Tief hat sich durch formvollendetes Liegen auf allen dafür vorhandenen Möbelstücken bemerkbar gemacht. Lediglich gelegentliches Lesen war möglich. Ansonsten war der gesamte Körper auf Lethargie eingestellt bzw. eingelegt.
Am Wochenende gab es wegen schlechtem Wetter gar kein Wetter.
wgl wünscht einen schönen, möglichst friedvollen Tag.
Einem ausgedehntem Tief folgt nun ein hoffentlich ein ebenso ausgedehntes Hoch.
Weil Frieden die Basis jedes Lebens ist
Und in Gedanken und mit Herzen immer bei den Menschen der Ukraine und der Hoffnung, dass das momentane Grauen schnellstmöglich ein Ende findet.
Die grosse Hoffnung, das Grauen findet bald ein Ende
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