16 Jahre Lockdown

Seit dem Unfall 2006 lebe ich in einem Dauer-Lockdown. Zunächst hatte ich noch Freunde, Bekannte, Partnerschaft um mich. Doch bereits zu dieser Zeit war ich allein. Da niemand meinen Schilderungen Glauben geschenkt hat und dadurch auch keine Hilfsmöglichkeiten angeboten wurden, war ich bereits damals auf mich allein gestellt. Obwohl es noch Personen und Leute in meinem Umfeld gab, hat niemand verstanden wovon ich gesprochen habe und welche Unterstützung notwendig war.

Ab 2008 haben sich Freunde und Bekannte Schritt für Schritt aus meinem Leben gestohlen. 2011 ging meine Partnerschaft in die Brüche. Dies hatte zur Folge, dass ich mir ein neues zuhause einrichten und ein neues Leben aufbauen musste. Ohne die Hilfe von Freunden, die es damals noch gab, wäre das nicht machbar gewesen. An Details aus dieser Zeit kann ich mich nicht erinnern.

Einsamkeit – Fluch oder Segen? Bild von Ulrike Mai auf pixabay

Zwei Stunden Sozialkontakt pro Woche

Erinnern kann ich mich daran, dass nach dem Aus der Partnerschaft weitere Freundschaften auf der Strecke geblieben sind. Ab 2014 war ich allein. Und bin es bis heute geblieben.

Phasenweise gibt es Pflegedienste oder Betreutes Wohnen mit wöchentlichen 2Stunden-Terminen. So wie momentan zwei Pflegekräfte mich pro Woche für zwei Stunden unterstützen.

Seit vielen Jahren sind zwei Stunden Sozialkontakt mit Pflegediensten etc. der einzige Kontakt in meinem Leben. Der Umgang damit war bis vor kurzem unerträglich. Seit es mir wieder besser geht und ich mehr vom Aussenleben mitbekomme und davon, wie Menschen miteinander umgehen, empfinde ich es beinah als Segen, allein sein zu können.

Soziale und gesellschaftliche Isolation

Seit längerem empfinde ich meine Situation wie eine Haftierung minus. Minus deshalb, weil es keine regelmässige Mahlzeiten gibt, keine Aktivitäten, kein Austausch. Einige Personen wissen um meine Situation, doch es gibt keinen Grund zu versuchen, an meiner Lage etwas zu ändern. Niemand fühlt sich zuständig. Und niemand war noch nie ein guter Helfer. Auch das ist eine interessante Erfahrung und keine Vorhaltung, lediglich eine Erkenntnis.

Ablehnung, eine gesellschaftliche Grundeinstellung
Ich nicht – eine gesellschaftliche Grundeinstellung

Veröffentlicht von katrin von wgl

Bis Jan 2006 als IT-Managerin in Telekom AG Darmstadt tätig. Durch schweren Unfall (Einsturz einer Wand) am 19.1.2006 in Telekom AG schwer verletzt. 2007 bis 2015 wieder gehen gelernt. Seit 2021 im Lernprozess, wieder Alltag zu leben. Seit 2022 ein bis drei Tage pro Woche lebens- und handlungsfähig. Restlichen Tage aufgrund Erschöpfung und/oder Schmerzen noch bettlägerig.

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

%d Bloggern gefällt das: