Panikmache mit psychisch kranken Menschen

Seit ich durch meinen Unfall mit der Diagnose PTBS (posttraumatischer Belastungsstörung) selbst zu den knapp 18 Millionen psychisch kranken Menschen dieses Landes (Quelle: DGPPN) gehöre, nehme ich bei kleineren und größeren Katastrophen immer wieder wahr, dass jedesmal die Gruppe der psychisch Kranken herhalten muss.

Panikmache mit psychisch kranken Menschen als Alibi.

Meist männliche Einzeltäter

Vorallem, wenn Einzeltäter am Werk waren. In den meisten Fällen werden diese Menschen der Allgemeinheit als psychisch krank, mindestens aber als psychisch labil präsentiert.

Jüngste traurige Beispiele: Der Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt sowie der Anschlag in Aschaffenburg. Kaum dass die Taten geschehen waren, haben die Medien ihre Schablone „Psychos“ aus der Kiste gezaubert und verbreitet, der Attentäter sei psychisch krank.

Auch in dem Fall des Flugzeugabsturz der GermanWings-Maschine – der sich heute zum zehnten Mal jährt, wurde sehr schnell der Pilot als Absturz-Verursacher herausgefunden. Und natürlich war dieser psychisch krank.

Mindestens genauso wichtig wie die körperliche Gesundheit: Die psychische Gesundheit.

Die einfachste Lösung

Auch wenn dies traurige Wahrheit sein mag und der Pilot psychisch krank war, so sind die wirklich Verantwortlichen für dieses schwere Unglück in den Management-Etagen zu finden.

Zum einen kann sich der Pilot selbst nicht mehr verteidigen, zum anderen ist hinlänglich bekannt, dass auch und gerade Fluglinien mit Personalmangel zu kämpfen haben. Das noch vorhandene Personal muss diese Mängel ausgleichen. Um jeden Preis.

Wenn Menschenleben egal sind

In diesem Fall waren mehr als einhundert Menschenleben der Preis für die Dummheit, für die Arroganz und für die Leichtfertigkeit der Fluglinie.

Dass der Pilot durch sämtliche (medizinische) Tests gekommen ist zeigt, auf welchem Niveau die Fluglinie geradewegs ins Unglück geflogen ist. Das Einzige, was für solche Firmen wichtig ist, sind Anleger und Aktien. Dass die jährliche Erfolgsausschüttung so hoch wie möglich ist – dafür werden auch Menschenleben hingenommen.

König Geld regiert die Welt. Nicht selten auf Kosten von Menschenleben oder deren gesundheitliche Unversehrtheit.

Wer und Warum

Für die Angehörigen und Überlebenden bleiben immer die Fragen Warum ist das geschehen und Wer ist verantwortlich dafür. Werden keine zufriedenstellende Antworten gegeben und Verantwortliche reden das Unglück klein oder negieren es gar, finden Angehörige und Überlebende keine Ruhe. Mitunter wird die Klärung eines Unglücks als einzige Lebensaufgabe gesehen.

Persönlicher Protest

Gegen das Agieren von Medien, die nach jedem Anschlag, nach jedem traumatischen Geschehen der Allgemeinheit TäterInnen als psychisch krank vor die Füße werfen, protestiere ich hiermit ausdrücklich.

Er war körperlich krank

Kein Mensch kommt auf die Idee zu kommunizieren, der oder die TäterInnen waren körperlich krank, zumindest aber körperlich labil.

Mit dem jetzigen Agieren werden zigtausende Menschen unter Generalverdacht gestellt. Das finde ich persönlich das Allerletzte.

Es scheint ganz so, dass die Karte „Psycho“ immer dann gezogen wird, wenn der einfachste Weg gegangen wird. Dieser ist aber nicht immer der Beste und schon gar nicht der richtige Weg.

Die „Psychokiste“. Wird immer dann geöffnet, wenn die Wahrheit nicht in die Öffentlichkeit soll.

Die Erinnerung bleibt

Allen Menschen, die in dem Artikel genannten traumatischen Geschehen in ihrer gesundheitlichen Unversehrtheit verletzt wurden oder gar Angehörige verloren haben, möchte ich auf diesem Wege herzliche und mitfühlende Grüße senden.

Die Zeit heilt nicht alle Wunden

Doch sie kann den Umgang mit dem Erlebten oder Überlebten erträglich machen. Die Zeit ist nach einem Trauma die grösste Verbundene. Das Leben wie vor dem Trauma wird es selten wieder geben. Es kann aber wieder leichter werden und auch glückliche Momente sind wieder möglich.

Dass sie davon wieder ganz viele haben können und wieder lernen, dem Leben zu (ver)trauen, auch das wünsche ich Ihnen herzlich.

Die Erinnerung bleibt. An Menschen,  an persönliche Eigenschaften.
Vielleicht kann der Frühling mit seinen Farben und Düften ein wenig Trost spenden

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Re-Traumatisierung durch alltägliche Geschehnisse

Seit meinem Unfall vor mehr als 17 Jahren schaue und höre ich Nachrichten nur noch sehr selten. Zu groß ist die Gefahr, auch nach fast 18 Jahren re-traumatisiert zu werden.

Und doch geschieht es immer wieder.

Zu grauenvoll um wahr zu sein

Am Abend des 7. Oktober habe ich nebenbei die Tagesschau gesehen.

Als Bilder zu dem Überfall der Hamas auf Israel gezeigt wurden, war mein erster Gedanke – ähnlich wie bei den Bildern zu dem Anschlag auf das World Trade Center – das müssen Bilder aus einem neuen Kinofilm sein.

Zu grauenvoll war das was da gezeigt wurde, um als realistisch wahrgenommen zu werden.

Rückfall in das eigene Trauma beim Sehen und Hören von Nachrichten

Der Moment der Re-Traumatisierung

Ein ganz bestimmtes Bild hat mich dann derart angetriggert, daß ich wieder in meinem eigenen Unfall war.

Jenes grauenhafte Bild der Frau, die, begleitet von schwerbewaffneten Terroristen in das Fahrerhaus gestoßen wurde. Als ich wahrnahm, dass die Frau alles hat unter sich gehen lassen, war ihre Todesangst plötzlich wieder meine Todesangst.

Menschen, die überzeugt davon sind, im nächsten Moment sterben zu müssen, lassen schockbedingt alles unter sich gehen. Der Körper versagt sonst unbewusste Funktionen.

Fremde Ängste werden zu den Eigenen

Die Schmerzen und Ängste dieser Frau haben sich in meinem ganzen Körper ausgebreitet. In diesem Moment habe ich realisiert, dass dieses grauenhafte Geschehen kein Film, sondern hässliche Realität ist.

Ab diesem Moment war ich für die nächsten Tage handlungsunfähig. Immer wieder ist das Bild dieser Frau in meinem Kopf aufgetaucht. Und immer wieder haben mich heftige Weinanfälle begleitet von einer tiefen Trauer überfallen.

Überfallen von alten Todes-Ängsten

Gebete für entführte Menschen

Nach etwa vier Tagen haben mein Körper und meine Psyche wieder beruhigt. Geblieben sind die Angst und Sorge um die Gesundheit der entführten Frau und aller Geiseln.

Seit einer Ewigkeit habe ich wieder gebetet. Für die Rettung der entführten Menschen. Für die Angehörigen, die vor Sorge nicht mehr weiter wissen. Und dafür, dass sie alle das überlebte Grauen irgendwie verarbeiten können.

Gefühlschaos – Trauer und Hoffnung zugleich. Gebete für alle Betroffenen des Krieges zwischen Israel und den Hamas.

Langfristige Folgen und Hoffnung

Als Mensch ohne politischen oder sonstigen Einfluss bin ich überzeugt davon, dass viele einzelne Menschen Grosses erreichen können.

Meine Hoffnung ist, dass alle entführten Menschen freikommen, dass die gegenseitigen Raketenbeschüsse aufhören.

Denn auch die Menschen im Gazastreifen sind Menschen die ein Recht auf ihr Leben haben und die in Frieden leben möchten – so wie auch die Menschen in Israel. PalästinenserIn zu sein bedeutet nicht, Anhänger der Hamas zu sein

Hoffnung auf ein friedliches Miteinander

Frieden – das wichtigste Menschenrecht

Ebenso hoffe ich auf ein friedliches Miteinander von Israel und Palästina. Das nicht Gewalt und Terror gewinnen, sondern dass sich Menschlichkeit und Frieden durchsetzen werden.

Bis dahin wird es ein schwerer und langer Weg. Doch vielleicht ist das heute noch Unvorstellbare in Zukunft möglich.

Dass ich nach meinem Unfall jemals wieder würde gehen können, konnten sich weder Ärzte noch Therapeuten vorstellen. Und doch gehe ich heute wieder.

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RISIKO SPORT

Hohes Risiko für Hirnverletzungen

Einige Sportarten bergen ein sehr hohes Risiko für Schädel-Hirn-Verletzungen. Kontakt-Sportarten wie Fussball, American Football und Boxen stehen dabei an trauriger Spitze.

Unmittelbare Verletzungen

Neurologische Untersuchungen haben gezeigt, dass Fussballspieler die häufig Kopfbälle ausführen, zum einen während ihrer Karriere ein erhöhtes Risiko für Schädel-Hirn-Verletzungen haben.

(Ge)Hirnerschütterungen jeder Schwere gehören dabei zu den häufigsten Verletzungen. Auch Hirnblutungen sind häufige Folgen von Kopfballverletzungen. Im besten Fall sind diese unmittelbar sichtbar durch äußerliche Merkmale wie Nasen- oder Ohrenbluten, Gleichgewichtsstörungen, Übelkeit, Erbrechen oder Ohnmachten. Im besten Fall deshalb, weil dann sichtbar ist, dass möglicherweise eine innere Verletzung vorliegt und entsprechende Untersuchungen und Notfallmaßnahmen durchgeführt werden müssen.

Die Lieblingssportart der Deutschen – Fussball

Gefahr der Unsichtbarkeit

Eine der größten Gefahren nach einer Schädel-Hirn-Verletzungen ist die Unsichtbarkeit. Wird ein Spieler nach einem Kopfball oder ein Boxer nach einem Schlag auf den Kopf ohnmächtig und spielt und boxt kurze Zeit darauf weiter, nehmen Verantwortliche wie Trainer und (Mannschafts)Arzt nur zu gern an, es liegen keine Verletzungen vor und es müsse nichts getan werden.

Dies ist nicht nur ein großer Fehler, für den Spieler kann dieses Denken und (Nicht)Agieren tödliche Folgen haben. Denn werden erlittene Hirnblutungen nicht versorgt, kann dies zum Tode des Spielers oder Boxers führen. Hier sollte besser einmal zu viel als einmal zu wenig kontrolliert und untersucht werden.

Eine Verletzungsfolge, die sich bei Behandlung erlittener Hirnverletzungen vermeiden lässt

Langfristige Spätfolgen

Mittlerweile haben Untersuchungen ehemaliger Profi-Fußballer und Profi-Boxer gezeigt, dass die Spätfolgen häufiger Kopf(ball)Verletzungen Gehirnerkrankungen wie Alzheimer, Demenz und Parkinson und Epilepsie sind. Das Risiko, an diesen Krankheiten zu erkranken ist um ein Vielfaches höher als bei Sportlern ohne Kopfball- oder Kopf-Verletzungen.

Sorgloser Umgang

Der Umgang mit dieser Thematik ist ausgerechnet in den Vereinen selbst zu nachlässig und oberflächlich. Eine Profi-Sportler kostet viel Geld. Nur durch Einsätze in Spielen oder Kämpfen kann dieses Geld wieder eingenommen und Gewinn erzielt werden.

Untersuchungen und Behandlungen hingegen, vor allem des Kopfes und des Gehirns sind teuer und treiben die Kosten für einen Spieler zusätzlich in die Höhe. Hier wird leider zu oft an falscher Stelle gespart.

Schutz der Sportler

Im Boxsport boxen ausgerechnet Profiboxer ohne Kopfschutz. Die Begründung, sie trainieren Kopftreffern vorzubeugen, klingt nach meinem persönlichen Empfinden makaber. Auch wenn trainiert wird, Kopfschlägen auszuweichen, so sind doch während der Kämpfe Kopftreffer eine der „beliebtesten“ Ziele um den Gegner, die Gegnerin k.o. zu schlagen und einen Kampf zu gewinnen. Kopfschutz wie bei den Nicht-Profis sollte Standard für Profi-Boxer sein. Schwerste Kopfverletzungen könnten so vielleicht vermieden werden.

Risikosportart American Football
Risikosportart (Profi)Boxen

Allmähliches Umdenken und Konsequenzen

Für Kinder und Jugendliche hat der DFB altersgerechtes Training und Spielen beschlossen. Was immer dies bedeuten mag in der Realität.

In England ist Kindern und Jugendlichen das Trainieren per Kopfball untersagt. Wie sich solch eine Festlegung im Spiel umsetzen lässt, bleibt fragwürdig.

Einige englische (Frauen)Fussballclubs haben das Kopfballspiel per Vertrag verboten. Möglicherweise der richtige Ansatz um Kopfballverletzungen auszuschliessen.

Gesundheit ist die Basis von allem

Jedem Sportler, jeder Sportlerin sollte das eigene Leben, die eigene Gesundheit so wichtig sein, gesundheitsschädliches Tun zu vermeiden. Wie wichtig Gesundheit ist und das Gesundheit die Basis für ein erfolgreiches Leben mit Teilhabe ist, weiss ich persönlich nur all zu gut. Nichts ersetzt ein Leben in Gesundheit. Hirnverletzungen haben tiefgreifende Auswirkungen auf das eigene Leben und das von Angehörigen und Freunden.

Standards und Handlungsleitfaden

Um auch scheinbar geringe oder nicht vorhandene Hirnverletzungen optimal zu versorgen und Sportler vor Spätfolgen zu schützen, sollten Standardabläufe nach Kopfballverletzungen die Regel sein. (Einfache) neurologische Untersuchungen die vom zuständigen Arzt zeitnah durchgeführt werden, MRT, CT und weitere klinische Untersuchungen. Hier sind vor allem der DFB und der DBV als Dachorganisationen gefragt. Entsprechende Schutzmassnahmen müssen von oben vorgegeben werden. So wird verhindert, dass jeder Verein und jeder Club in solch einem wichtigen Thema tut und lässt, wonach ihm ist.

Besonderer Schutz für Kinder

Kinder und Jugendliche müssen besonders vor Verletzungen geschützt werden. Dies zählt für Schädel-Hirn-Verletzungen (SHV) um so mehr.
Während des Wachstums können die Folgen einer SHV besonders gravierend sein.

Damit die Freude am Spiel bleibt
…ist der Schutz vor Kopfverletzungen notwendig

Schock und Traumatisierung. Persönliche Erfahrungen

Schädel-Hirnverletzungen können auch zu seelischen Traumata führen.

Nach meinem Unfall, welcher u.a. subdurale und epidurale Hirnblutungen zur Folge hatte, war es mehr als ein Jahrzehnt kaum möglich auseinander zu halten, welches Symptom psychisch und welches Symptom von den Hirnblutungen war.

Vergesslichkeit, Konzentrationsprobleme, Gleichgewichts-, Sprach- und Sehstörungen, Wortfindungsstörungen – all diese Beschwerden können Folgen einer Hirnverletzung sein, aber auch von einer psychischen Traumatisierung.

Erst nach etwa fünfzehn Jahren konnte ich auseinanderhalten und klar definieren, welches Symptom wohin gehört. Heute (März 2023), etwas mehr als siebzehn Jahre nach den erlittenen Hirnverletzungen und dem schweren Trauma, sind vorhandene Einschränkungen zu 75 Prozent physisch, also körperlich bedingt.

Die restlichen 25 Prozent sind noch Traumabedingte Ausfälle, welche durch seltene Flashbacks oder dem Antriggern erlebter Situationen folgen. Für mich persönlich ein enormer Heilungsfortschritt. Nicht in fast jeder Situation angetriggert oder re-traumatisiert zu werden ist ein unglaublicher Zuwachs an Lebensqualität. Selbst wenn dieses Leben schmerz- und erschöpfungsbedingt zu 80 Prozent im Bett stattfindet.

Infos zu Trauma/ Traumahilfe/ Traumaheilung

Medienbeiträge

https://www.zdf.de/nachrichten/sport/fussball-kopfball-verletzung-gehirn-neurochirurg-100.html

https://www.dfb.de/news/detail/nachwuchs-und-kopfball-dfb-beschliesst-altersgemaesse-richtlinien-236483/





PERSÖNLICHER TRAUMA-BLOG

Für ein Stück Heilung – seelisch und physisch

In den vergangenen Jahren hat sich das Thema Trauma/Traumatisierungen zu einer globalen Epidemie entwickelt. Dem gerecht zu werden und vielleicht ein paar wenigen Menschen in seelischer Not Orientierung und Hilfe zu geben, dafür der Blog für Traumahilfe.

Konstruktive Anregungen, Tipps oder persönliche Erfahrungen zu diesen Themen greife ich sehr gerne auf.

Logo für Traumahilfedotblog

Vorweihnachtliche Gedanken

Was mir an diesem vorweihnachtlichem Wochenende durch ramponierten Kopf und Körper geht…

Die seltsamsten Gedanken kommen beim Sinnieren über das erlebte Befremdliche.

Bild Hund mit Telefonen: fotalia.com
Bildbearbeitung (Collage): wgl-wiedergehenlernen.com

Schubkarre. Die Telekom AG in menschlicher Hochform beim Rufen eines Krankenwagens. Nach deren Ermessen wäre eine Schubkarre ausreichend gewesen für meinen Abtransport, am besten zusammen mit den Brocken der eingestürzten Wand. Bereits unmittelbar nach dem Unfall startet die Telekom AG ihre Lügenwelle. Später "vergisst" sie den schweren Unfall an zuständige Unfallkasse und Behörden zu melden. Bereits ein paar Wochen nach dem Unfall behauptet sie gar, es habe den Unfall nicht gegeben
Die Telekom AG in menschlicher Hochform beim Rufen eines Krankenwagens. Nach deren Ermessen wäre eine Schubkarre ausreichend gewesen für meinen Abtransport, am besten zusammen mit den Brocken der eingestürzten Wand. Bereits unmittelbar nach dem Unfall startet die Telekom AG ihre Lügenwelle. Später „vergisst“ sie den schweren Unfall an zuständige Unfallkasse und Behörden zu melden. Bereits ein paar Wochen nach dem Unfall behauptet sie gar, es habe den Unfall nicht gegeben.

Bild Schubkarre: pixabay.com
Bildbearbeitung (Collage): wgl-wiedergehenlernen.com

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QUERSCHNITTVERLETZUNG UND: SCHWITZEN

Eine Rückenmarksverletzung führt meist zu Veränderungen im autonomen Nervensystem, die auch die Fähigkeit zur Schweißabsonderung beeinträchtigen.

Die meisten Betroffenen können unterhalb der Läsionsstelle nicht schwitzen, aber auch übermäßiges Schwitzen (oberhalb der Läsionsstelle) kann eine Folge sein.

Gestörte Automatismen

Bei Menschen mit Querschnittlähmung sind die Automatismen zur Aufrechterhaltung der Körpertemperatur stark eingeschränkt. Zittern und Schwitzen können in den von der Lähmung betroffenen Körperregionen meist nicht mehr regulativ eingesetzt werden.

Der Körper schwitzt oder zittert nur noch in den Regionen, die nicht gelähmt sind.

Gestörte Informationsabläufe

Das Schwitzen wird durch das autonome Nervensystem gesteuert. Dabei handelt es sich um den Teil des Nervensystems, der automatisch oder ohne willentliches Zutun arbeitet.

Eine Verletzung oder Krankheit, die das autonome Nervensystem beeinträchtigt, kann dazu führen, dass Nachrichten von der Oberfläche zum Gehirn nicht gesendet oder falsch interpretiert werden, bzw. die Signale zum und vom Körper auf der Ebene der Verletzung unterbrochen werden.

Vermehrtes Schwitzen und
Schwitzen, das nicht mehr möglich ist

Beobachtet wurde, dass Menschen mit Querschnittlähmung in Körperbereichen, die unter der Läsionshöhe nicht mehr schwitzen können, und in Körperbereichen, die über der Läsionshöhe liegen, vermehrt schwitzen, wenn sie z. B. warmen Temperaturen, hoher Luftfeuchtigkeit oder vermehrter Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind (PubMed, 2022).

Letzteres könnte eine Ausgleichsstrategie des Körpers sein, mit der die ausbleibende Schweißabsonderung in den Körperregion unterhalb der Läsionshöhe kompensiert werden soll.

Vorbeugen: Kluge Abkühlungsstrategien

Um sicherzustellen, dass erhöhte Umgebungstemperaturen keine Überhitzung des Körpers auslösen, sollten sich Menschen mit Querschnittlähmung jedoch nicht auf das Schwitzen (in seiner Restfunktion) verlassen, sondern auch andere Abkühlungsstrategien in Erwägung ziehen.

Mögliche Folgeerkrankung einer Querschnittverletzung: Hyperhidrose

Zudem kann es bei Querschnittlähmung – unabhängig von äußeren Einflüssen – oberhalb der Läsionshöhe zu einer Hyperhidrose kommen. Typischerweise tritt sie bei Querschnittlähmung oberhalb des Verletzungsniveaus, weil das autonome Nervensystem versucht, die gesamte Körpertemperatur zu regulieren, aber nur den Körper kontrollieren kann, der nicht von der neurologischen Verletzung betroffen ist.

Gestörte Reizübertragungen

Der Schweiß fließt also nur dort ab, wo er kann. Obwohl seltener, kann in einigen Fällen übermäßiges Schwitzen an Stellen im Bereich der neurologischen Verletzung auftreten. Auch dies kann auf eine gestörte Reizübertragung im autonomen Nervensystem zurückzuführen sein (ReeveFoundation, 2022).

Manche Betroffene berichten von starken Schweißausbrüchen vor allem in den Monaten nach Eintritt der Querschnittlähmung und einem Nachlassen der Symptome beim weiteren Fortschreiten der Rehabilitation.

Nervensystem passt sich wahrscheinlich an

Obwohl dies ein seltenes, wenig untersuchtes Phänomen ist, könnte es auf eine Überaktivität des autonomen Nervensystems zurückzuführen sein, dass sich mit der Zeit an die veränderte Situation im Rückenmark gewöhnt und entsprechend anpasst (paracommunity, 2022).

Vorsicht bei starker Schweißabsonderung

Starkes Schwitzen bzw. Hyperhidrose ist nicht nur unangenehm, sondern kann auch Lebensqualität und Gesundheit beeinträchtigen.

Eine starke Schweißabsonderung kann dazu führen, dass Kleidung und/oder Bettwäsche häufig gewechselt werden müssen und der Körper häufig abgetrocknet und evtl. geduscht werden muss.

Auf gute Hautpflege achten

Die Haut muss noch häufiger kontrolliert werden, da übermäßige Feuchtigkeit die Anfälligkeit für Hautprobleme erhöht, möglich sind z. B. Hautausschläge, Hautreizungen und auch das Dekubitusrisiko kann erhöht sein.

Dehydrierung vermeiden


Übermäßiges Schwitzen kann zu einer Dehydrierung führen, was wiederum verschiedene negative Konsequenzen haben und auch das Blasen- und Darmmanagement beeinflussen kann.

Vorsicht bei Schweißausbrüchen bei Lähmungshöhe von Th 6/7 und darüber

Starke Schweißausbrüche können bei einer Lähmungshöhe von Th 6/7* und darüber ein Anzeichen einer Autonomen Dysreflexie sein. Die Autonome Dysreflexie wird durch Reize unterhalb der Lähmungshöhe (z. B. eine volle Blase oder eine Verletzung) ausgelöst.

Die Gefäße verengen sich und der Blutdruck steigt bei schwachem Puls stark an. Neben dem starken Schwitzen sind Kopfschmerzen und Sehstörungen mögliche Warnzeichen.

Die Autonome Dysreflexie muss sofort behandelt werden, da sie anderenfalls schwerwiegende Folgen haben kann.

*Th7 = Mittlerer Bereich der Brustwirbelsäule, siehe auch Abb.2

Abb2 I Das menschliche Nervensystem und die Brustwirbelsäule Th1 bis TH12

Weitere mögliche Ursachen für übermäßiges Schwitzen

Übermäßiges Schwitzen wurde auch mit orthostatischer Hypotonie in Verbindung gebracht, die auf autonome Effekte zurückzuführen ist.

Die Blutgefäße versuchen, sich zusammenzuziehen und Blut zum Gehirn zu leiten, wenn Kopf (und Oberkörper) angehoben werden.

Posttraumatische Syringomyelie

Eine weitere potenzielle Möglichkeit ist die posttraumatische Syringomyelie, d. h. die Bildung einer Zyste im Bereich der Rückenmarksverletzung, zu einem späteren Zeitpunkt nach dem ursprünglichen Eintritt der Querschnittlähmung (ReeveFoundation, 2022), sowie das posttraumatische Tethered-Cord-Syndrom (Craig, 2022).

Behandlungsmöglichkeiten

Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, wie übermäßiges Schwitzen behandelt werden kann, wie z. B. Botox-Injektionen in die betroffenen Bereiche, die Einnahme von Anticholinergika oder der Einsatz von Antitranspiranten als Lotionen oder Cremes. Operative Methoden sollten erst dann Berücksichtigung finden, wenn alle anderen Mittel keinen Erfolg zeigen.

Hyperhidrose bei Querschnittlähmung


Ein Grund für übermäßigem Schwitzen (Hyperhidrose) kann auch bei Querschnittlähmung eine Hyperhidrose sein.

An Hyperhidrose, einer Erkrankung, die durch ein übermäßiges Schwitzen charakterisiert ist, leiden in Deutschland ca. ein bis zwei Prozent der Bevölkerung. Hyperhidrose kann Menschen mit und ohne Querschnittlähmung treffen.

Manche Betroffene (ohne Querschnittlähmung) schwitzen am ganzen Körper übermäßig stark (generelle Hyperhidrose). Das übermäßige Schwitzen kann aber auch an bestimmten Körperteilen wie den Händen, Achsel oder Füßen vorkommen.

Quelle: der-Querschnitt.de
Danke an: Text von Tanja Konrad
veröffentlicht 22.08.2022
aktualisiert 09.11.2022

Text-und Bildbearbeitung für WGL – wiedergehenlernen.com:
Katrin Elisabeth
Fanny Dohnt


Quellenangaben: